Themen dieser Ausgabe | März 2026

Interview: „Wasser hat eine demokratische Dimension“Positionspapier: Vielfältige Anbausysteme für NutzpflanzenStatement: Intakte Umwelt schafft mehr SicherheitUN-Bericht: Zu wenig Geld für KrisenbewältigungNeues Konzept der Nachhaltigen EntwicklungPORTRÄT: Prof. Tamara TalGlobales Plastikabkommen: Erfolg noch möglichStatement: PFAS-Grenzwerte reichen nichtPFAS: Störung der PlazentaentwicklungHerkunft giftiger Metalle im WeizenkornNährstoffrecycling: Vom See auf den Acker • PODCASTS: Forschung für Freiheit und Leben I Wie gut geht es Europas Böden?FILMTIPP: „Leben auf Plastik – Per Anhalter durchs Meer“LESETIPP: “Eis gegen Heiß“PERSONALIAVERANSTALTUNGSTIPPS

Wassermanagement

„Wasser hat eine demokratische Dimension“

©André Künzelmann UFZ / Dietrich Borchardt ©Sebastian Wiedling UFZ

Ein UN-Bericht hat jüngst vor einem "globalen Wasserbankrott" gewarnt. Im Interview erläutert der UFZ-Hydrobiologe Prof. Dietrich Borchardt, wie es weltweit um den Wasserhaushalt bestellt ist. Er schildert die Probleme, vor denen Deutschland beim Schutz der Gewässer steht, warum der nachhaltige Umgang mit Wasser jeden und jede von uns etwas angeht und wie die Helmholtz-Gemeinschaft innovative Lösungen in die Anwendung bringen will. 

Positionspapier

Vielfältige Anbausysteme für Nutzpflanzen

Vielfalt an Hülsenfrüchten und Getreidesorten ©Celso Pupo / AdobeStock

Wie kann die Landwirtschaft krisenfester werden? Die Ständige DFG-Senatskommission „Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen“, deren Vorsitzende die UFZ-Bodenforscherin Prof. Doris Vetterlein ist, fordert in einem Positionspapier stärkere Bemühungen in Richtung vielfältiger Anbausysteme mit längeren Fruchtfolgen, Mischkulturen oder Agroforst sowie mehr Forschung. Ziel sind anpassungsfähige Anbausysteme, die die Versorgung mit Nahrungsmitteln sichern und ökologisch nachhaltig sind. 

Statement

Intakte Umwelt schafft mehr Sicherheit

©Anton Balazh-AdobeStock KBGaese ©Peter Kiefer

Die Welt erlebt derzeit die höchste Zahl an Konflikten seit dem Zweiten Weltkrieg. Zudem erodiert die Weltordnung zusehends. Diese Bedrohungen sind ernst und ernst zu nehmen. Es ist jedoch fatal, darüber die Risiken zu vergessen, die Biodiversitätsverlust, Klimawandel und Umweltverschmutzung mit sich bringen, schreibt UFZ-Geschäftsführerin Prof. Katrin Böhning-Gaese. Langfristig würde das die Herausforderungen insgesamt vergrößern und uns vor enorme neue Probleme stellen. 

UN-Bericht "Finance for Nature"

Zu wenig Geld für Krisenbewältigung

State of Finance for Nature ©UNEP / Collage UFZ

Für jeden US-Dollar, der weltweit in den Schutz der Natur investiert wird, fließen 30 Dollar in ihre Zerstörung. Das zeigt ein aktueller Report der UN-Umweltorganisation (UNEP), an dem Nachhaltigkeitsforscher und Ökonomen des UFZ mitgearbeitet haben. Demnach wurden 2023 7,3 Bio. Dollar in naturnegative Finanzströme investiert, nur etwa 220 Mrd. Dollar in naturbasierte Lösungen. Um ökologische Krisen zu bekämpfen, sind bis 2030 jährliche Investitionen von mehr als 570 Mrd. Dollar notwendig.

Neues Konzept Nachhaltiger Entwicklung

Natur, Wirtschaft, Gesellschaft zusammendenken

Das neue Modell nachhaltiger Entwicklung ©CORDIO East Africa

Der Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ basiert bislang auf einem Drei-Säulen-Modell, das Natur, Gesellschaft und Wirtschaft voneinander getrennt betrachtet. Das ist vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen nicht mehr zweckmäßig, sagen renommierte Forschende, die sich so wie Prof. Josef Settele vom UFZ im Weltbiodiversitätsrat engagieren. Sie haben in Nature Communications Sustainability ein neues Modell vorgeschlagen, das Natur, Wirtschaft und Gesellschaft stärker zusammendenkt. 

PORTRÄT

Tamara Tal ©Sebastian Wiedling UFZ

Prof. Tamara Tal

Hunderttausende Chemikalien und Chemikalienmischungen sind weltweit im Umlauf. Welche davon die Entwicklung des menschlichen Gehirns schädigen, dazu fehlen oft noch Informationen. Diese Wissenslücke will die UFZ-Ökotoxikologin Prof. Tamara Tal schließen und nutzt dafür Zebrafisch-Embryonen als Modellsystem. In ihrem Labor im UFZ in Leipzig entwickelt sie Testmethoden, mit denen sich schneller identifizieren lässt, welche Substanzen bedenklich sind und warum. 

Globales Plastikabkommen

Erfolg ist noch möglich

Autor:innen ©Paul Einhäupl / RIFS

Plastikmüll verursacht weltweit große Probleme. Die Verhandlungen der Vereinten Nationen führten aber bislang nicht zu einem globalen Plastikabkommen. Insofern sind die Erwartungen an den neu gewählten Vorstand des zwischenstaatlichen Verhandlungskomitees (INC), Julio Cordano (Chile), groß. Vor allem muss er dringend den Verhandlungsprozess reformieren. Dies fordern auch vier Helmholtz-Forschende, darunter die UFZ-Ökotoxikologin Prof. Annika Jahnke, in einem Nature-Kommentar

Statement

Grenzwerte reichen nicht

©Anzhela_AdobeStock_KI I AdobeStock / Prof. Thorsten Reemtsma ©Sebastian Wiedling / UFZ

Seit Januar gelten strengere Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser. Weil manche von ihnen Effekte auf Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Immunsystem haben und unter Verdacht stehen, krebserregend zu sein, seien diese Verschärfungen gut, sagt der UFZ-Chemiker Prof. Thorsten Reemtsma. Da jedoch Trinkwasser nur selten der Hauptbelastungspfad für den Menschen sei, müsse die Regulierung vor allem an der Quelle ansetzen. Das heißt, die Verwendung von PFAS in Produkten muss drastisch begrenzt werden. 

PFAS

Störung der Plazentaentwicklung

Schwangere ©Pixel-Shot / AdobeStock

PFAS wirken sich negativ auf die menschliche Gesundheit aus, etwa von schwangeren Frauen und deren ungeborenen Kindern. Dabei spielt die Plazenta als Barriere eine wichtige Rolle. UFZ-Forschende haben nun ein 3D-Plazenta-Modell weiterentwickelt, um die Risiken einer PFAS-Exposition besser zu analysieren. Sie schreiben im Fachjournal Environmental Research, dass PFAS die Funktionalität der Plazenta vor allem in der frühen Phase der Schwangerschaft stören.

Metallgehalte in Nutzpflanzen

Herkunft giftiger Metalle im Weizenkorn 

Statischer Düngungsversuch UFZ-Forschungsstation Bad Lauchstädt ©André Künzelmann UFZ

Pflanzen nehmen über ihre Wurzeln nicht nur Nährstoffe auf, sondern auch giftige Metalle wie Cadmium. Unklar war bislang, ob diese aus dem Boden oder den ausgebrachten Düngemitteln stammen. Unter Federführung des UFZ und der Duke University (USA) haben Forschende anhand einer speziellen Isotopensignatur herausgefunden, dass der Großteil der giftigen Metalle aus dem mineralischen Dünger kommt. Welche Konsequenzen dies hat, berichten sie im Fachmagazin Environment International

Nährstoffrecycling

Vom See auf den Acker 

UFZ-Seenforscher erarbeiten im EU-Projekt "FERRO" Methoden, um die Eutrophierung von Seen und Talsperren zu verhindern und die natürliche Erholung der Gewässer durch Sanierungsverfahren (in-situ) zu unterstützen. Gleichzeitig sollen Nährstoffe wie etwa Phosphor zurückgewonnen und der Landwirtschaft als Düngemittel verfügbar gemacht werden. Der Film zeigt, wie UFZ-Forschende dies an einem der fünf Demonstrationsstandorte, der Talsperre Dröda (Sachsen), umsetzen. 

PODCASTS

Helmholtz-Gemeinschaft

Forschung für Freiheit und Leben

Katrin Böhning-Gaese, Martin Keller ©Sebastian Grote

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat seit Herbst einen neuen Präsidenten: Prof. Martin Keller. Im Februar besuchte er das UFZ und informierte sich über dessen Forschungsthemen. Im Podcast-Gespräch mit UFZ-Geschäftsführerin Prof. Katrin Böhning-Gaese, derzeit auch Helmholtz-Vize-Präsidentin, thematisieren sie unter anderem die Wissenschaftsfreiheit, die Rolle der Umweltforschung, warum Helmholtz in Zukunft enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten will und was sich beide von der Politik erhoffen.

Bodenschutz

Wie gut geht es Europas Böden?

Boden ©André Künzelmann UFZ / Ute Wollschläger ©S. Reichold / H.-J. Vogel ©Sebastian Wiedling UFZ

Gesunde Böden sind essenziell für den Menschen, die Umwelt, das Klima und die Wirtschaft. Doch lange Zeit gab es in der EU keinen systematischen Bodenschutz. Die Folge: 60 bis 70 Prozent der Böden gelten als geschädigt. Das soll sich mit der EU-Bodenüberwachungsrichtlinie ändern. Dieses Monitoring sei wichtig, ehe konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Bodens gesetzlich vorgeschrieben werden, sagen die UFZ-Bodenforscher Dr. Ute Wollschläger und Prof. Hans-Jörg Vogel. 

FILMTIPP

„Leben auf Plastik – Per Anhalter durchs Meer“ 

Plastik vermüllt die Meere. ABER: Es wird auch durch Bakterien, Algen oder Pilze besiedelt. Die ARTE-Dokumentation erkundet diese neue Welt auf Plastikmüll: die sogenannte Plastisphäre. Dazu begleitet sie Forschende auf Expedition und zeigt außergewöhnliche Einblicke in eine uns sonst verborgene Welt. Sie besucht aber auch UFZ-Ökotoxikologin Dr. Mechthild Schmitt-Jansen, die mit einem bildgebenden Verfahren die Mikroben auf Plastik sichtbar macht

LESETIPP

“EIS GEGEN HEISS“ Wie wir uns an die Folgen des Klimawandels anpassen müssen

„Eis gegen heiß“ ist ein Ratgeber, der wissenschaftlich fundierte Inhalte zur Klimaanpassung leicht verständlich vermittelt. Das Buch liefert in kurzen Texten und vielen Illustrationen Alltagstipps, und zeigt, wie der Mensch seine psychische Widerstandskraft stärken, seine Arbeitsproduktivität an Hitzetagen aufrechterhalten oder Gebäude vor Überschwemmungen schützen kann. Rund 70 Wissenschaftler:innen haben an dem Buch mitgearbeitet, darunter der UFZ-Klimaforscher Prof. Jakob Zscheischler. 

Buch-Cover ©Kiepenheuer&Witsch

PERSONALIA

Katrin Böhning-Gaese ©Peter Kiefer

Prof. Katrin Böhning-Gaese 

Die Wissenschaftliche Geschäftsführerin des UFZ – im Jahr 2021 selbst mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet – ist seit Januar gewähltes Mitglied in der Jury des renommierten Preises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und berät das Kuratorium bei der Entscheidungsfindung. Zudem wurde sie für vier Jahre in den wissenschaftlichen Beirat des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) berufen. Der Beirat gibt strategische Empfehlungen zum PIK-Forschungsprogramm. 

Josef Settele ©André Künzelmann UFZ

Prof. Josef Settele

Der UFZ-Biodiversitätsforscher ist im Februar als einziger Vertreter einer deutschen Forschungseinrichtung in das Multidisciplinary Expert Panel (MEP) des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) gewählt worden. Das MEP berät das IPBES-Plenum in wissenschaftlichen und technischen Fragen. Es soll dafür sorgen, dass IPBES-Berichte unabhängig geprüft werden und höchster wissenschaftlicher Qualität genügen. Zudem bindet es Fachleute aus verschiedenen Disziplinen, Regionen und Wissenssystemen ein. 

Dr. Dušan Materić

Dušan Materić ©Sebastian Wiedling UFZ

Der Chemiker Dr. Dušan Materić hat den mit 10.000 Euro dotierten UFZ-Forschungspreis 2025 erhalten. Der UFZ-Forscher hat eine Analysemethode entwickelt, mit der sich Nanoplastikpartikel in Umwelt- und biologischen Proben nachweisen lassen. Zudem würdigte die Jury die Vielzahl seiner interdisziplinären und internationalen Kooperationen. Dies hat das Erfassen der Umweltbelastung mit Nanoplastik auch in entlegenen Regionen der Erde möglich gemacht. 

VERANSTALTUNGSTIPPS

Auswirkungen des Klimawandels auf das Grundwasser

10. – 13. März 2026 I Konferenz I Kongresshalle Leipzig

Grundwasser ist Basis für weite Teile der Wasserversorgung, speist Flüsse und erhält Feuchtgebiete. Diese Funktionen werden durch die Folgen des Klimawandels infrage gestellt. Gleichzeitig verändert sich der Wasserbedarf verschiedener Nutzerinnen und Nutzer. Über Grundwasser in Zeiten des Wandels diskutieren Fachleute aus Forschung, Behörden, Industrie und Verbänden auf Einladung des UFZ und der Fachsektion Hydrogeologie in der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Leipzig. 

Rettet die Vielfalt

19. März 2026 I Buchlesung und Diskussion I UFZ Leipzig

Zwei Bücher zum Artenschwund stehen im Fokus der Helmholtz Environmental Lecture, zu der das UFZ und der Klimabuchmesse e.V. im Rahmen des Lesefestivals Leipzig liest einladen. In „Wir dachten, wir könnten fliegen“ lassen 20 Schriftsteller:innen ausgestorbene Arten literarisch lebendig werden. Das Buch „Rettet die Vielfalt“ mit Katrin Böhning-Gaese als Co-Autorin fordert ein radikales Umdenken: weg vom ausbeuterischen Umgang mit der Natur, hin zu einer Gesellschaft, die Natur neu begreift. 

Umweltrechtliches Symposium

26. – 27. März 2026 I Konferenz I Neues Rathaus Leipzig

Das Umwelt- und Planungsrecht hat sich seit den 1990er-Jahren verändert. Diese Entwicklung ging einher mit neuen Planungsinstrumenten, erweiterten Klagerechten für Umweltverbände und einer stärkeren Beteiligung der Öffentlichkeit. Angesichts der Klima-, Biodiversitäts- und Verschmutzungskrise werden zudem transformative und sektorübergreifende Ansätze wichtiger. Das Symposion zieht eine Zwischenbilanz und diskutiert Auswirkungen dieser Entwicklungen sowie Perspektiven für die Zukunft. 

SOCIAL MEDIA

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HERAUSGEBER

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ

Permoserstraße 15, 04318 Leipzig
Redaktion: Susanne Hufe • Benjamin Haerdle • Dr. Reinart Feldmann • Susan Walter-Pantzer • Doris Wolst I Presse- und Öffentlichkeitsarbeit UFZ
Bildnachweise: Pixel-Shot I AdobeStock • CORDIO East Africa • UNEP • Celso Pupo I AdobeStock • Anton Balazh I AdobeStock • Peter Kiefer • Paul Einhäupl I RIFS • Anzhela I AdobeStock (KI) • S. Reichold • Sebastian Grote • aryfahmed I AdobeStock • Kiepenheuer & Witsch • Sebastian Wiedling I UFZ • André Künzelmann I UFZ

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